STUMPFSCHMERZ
chronischer Stumpfschmerz
Beim Stumpfschmerz handelt es sich um einen sog. Nozizeptorschmerz. Hierunter versteht man die Aufnahme einer körperlichen Störung oder Schädigung mit Hilfe eines Rezeptors und Weiterleitung als Schmerzreiz über das Nervensystem zum Gehirn. Ein Rezeptor ist eine Art „Empfangseinrichtung“ einer Zelle oder eines Organs bzw. Systems. Sie wird je nach der Art des zu registrierenden Reizes als z.B. Chemo-, Thermo-, Baro- (= den Blutdruck betreffender), akustischer oder taktiler (= den Tastsinn betreffender) Schmerzrezeptor bezeichnet.
Ein chronischer Stumpfschmerz tritt nach einer chirurgischen oder traumatischen (= unfallbedingten) Entfernung eines Körperteils sehr häufig auf, es dürften wohl ca. 60% der Patienten betroffen sein.
Ein Stumpfschmerz kann direkt nach der Operation oder Verletzung auftreten oder auch nach längerer Latenzzeit (=Zeit zwischen Reizeintritt und Reizantwort bzw. Empfindung). Beim Stumpfschmerz besteht eine deutliche Neigung zur Chronifizierung (= länger als 3 Monate anhaltend).
Ursachen für einen Stumpfschmerz (chronischer):
Der
Stumpfschmerz
wird häufig durch taktile
(= den Tastsinn betreffende) oder
thermische Reize triggerbar (= auslösbar).
Oft besteht Druckschmerzhaftigkeit und besonders im Narbenbereich eine
Hyperästhesie (=
Überempfindlichkeit auf
Berührung).
Im Unterschied zu
Phantomschmerzen tritt ein Stumpfschmerz eher als
Dauerschmerz auf.
Bei
Amputationsschmerzen im Bereich der unteren
Extremitäten
(=
Beine)
stellen sich in der Regel später auch behandlungsbedürftige Beschwerden an
kontralateralen (= gegenüberliegenden)
Gelenk
en und an der
Wirbelsäule ein,
bedingt durch unphysiologische
(= unnatürliche)
Dauerbelastungen.
Der Schmerzcharakter wird beim Stumpfschmerz (chronischer) uneinheitlich beschrieben, mal dumpf oder bohrend, ziehend bis stechend. Im weiteren Verlauf kann sich dann auch ein brennender, chronischer Schmerz einstellen, manchmal sogar attackenförmig.
Nicht selten bestehen neben einem Stumpfschmerz auch ein Phantomschmerz. Dabei werden Schmerzen in einen nicht mehr vorhandenen Körperteil, also außerhalb des Körpers projiziert bzw. dort empfunden.
Spezielle Schmerztherapie beim Stumpfschmerz
Auch beim Stumpfschmerz gilt der Grundsatz, daß zunächst eine kausale (= gegen die Ursache gerichtete) Behandlung erfolgen muß. Besteht der Stumpfschmerz dennoch weiter, oder kann keine konkrete Schmerzursache gefunden werden, so bieten sich folgende Maßnahmen an:
Flankierende Maßnahmen beim Stumpfschmerz:
Bei Stumpfschmerz
(chronischer) wirkt häufig eine oberflächliche Kältebehandlung zusätzlich
schmerzlindernd, gleiches gilt für Wechselbäder. Oftmals lässt sich auch durch
die Vermittlung von Entspannungstechniken eine zusätzliche Besserung
erzielen.
Auch die
Akupunktur kann beim Stumpfschmerz (chronischer) zu
einer Linderung führen, aber als alleinige Therapiemaßnahme i.d.R. nicht
ausreichend.
Zum Abbau von psychosozialen Spannungsfeldern sollten
psychologische Interventionen versucht werden.
Nach unserer Beobachtung sind Patienten mit einem P
hantom- und / oder
Stumpfschmerz im Hinblick auf
Schmerzmittelmißbrauch
oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
(gilt z.T. auch für Beruhigungsmittel) besonders gefährdet. In diesen Fällen
leiten wir unverzüglich eine stationäre
Entzugsbehandlung ein.
Bei einem längerfristig bestehenden Stumpfschmerz ist davon auszugehen, dass bereits ein Chronifizierungsgrad II, meist sogar III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen, hilfreich ist auch ein Schmerzbewältigungstraining.
Erläuterungen:
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen kann diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen, auch bei einem Stumpfschmerz.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.eu (einfach anklicken).
Was bringt die Gesundheitsreform für Schmerzpatienten ? Hier eine Zusammenfassung: www.schmerzklinik.com/gesundheitsreform (einfach anklicken)
Die Klinik im Film - Zu einem 3-min. Fernsehbeitrag über Schmerzbehandlungen gelangen Sie hier (einfach anklicken).
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